Migration: ein vielschichtige Phänomen

Menschen, die ihre Heimat verlassen und sich anderswo niederlassen – dieses Phänomen gibt es bereits so lange, wie es Menschen gibt. Oft sind Menschen aufgrund von Verfolgung, Kriegen oder Naturkatastrophen dazu gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Andere Menschen erhoffen sich bessere Perspektiven in ihrer „neuen Heimat“. Zwischen „Einheimischen“ und Zuwanderer Innen entwickeln sich verschiedene Formen des Zusammenlebens, welche sich immer wieder verändern können.

Das überarbeitete Schwerpunktthema befasst sich mit den Unterschieden zwischen Flucht und Migration, dem Recht auf Asyl sowie den verschiedenen Formen von Integration. Auch der Umgang mit Vorurteilen und Stereotypen gegenüber anderen Menschen wird thematisiert.

Gelingende Integration von Zuwanderern ist ein an vielfältige Bedingungen gebundener Prozess. Migranten agieren als Individuen und in Netzwerken oder Kollektiven mit unterschiedlichen Autonomiegraden vor dem Hintergrund verschiedener Erfahrungshorizonte im Gefüge von gesellschaftlichen Erwartungen und Präferenzen, Selbst- und Fremdbildern, Normen, Regeln und Gesetzen. Sie verfolgen dabei ihre eigenen Interessen und Ziele, verfügen über eine jeweils unterschiedliche Ausstattung mit ökonomischem, kulturellem, sozialem, juridischem und symbolischem Kapital mit der Folge je verschieden ausgeformter Handlungsspielräume.

Problemlose Integration findet, wo sie vorkommt, nur selten die Aufmerksamkeit von Öffentlichkeit und Wissenschaft, die beide eher auf Probleme reagieren. Diese entstehen aus seiner Sicht vornehmlich, wenn die aufnehmende Gesellschaft sich zu ablehnend verhält, wenn Migranten die Integration ihrerseits ablehnen oder wenn die Politik passiv verharrt oder abweisende Signale setzt. Das Mond wurde viel gewonnen, wenn sich der Ton änderte, in dem über und mit Migranten gesprochen wird. Die Mehrheit der Zugewanderten gute Gründe für die Migration hat und ihr Aktivitätspotential mit der Einreise keineswegs erschöpft ist. Hieran können und sollten Angebote der gesellschaftlichen Teilhabe anschließen.

Zwischenräume der Migration : Über die Entgrenzung von Kulturen und Identitäten ; Hrsg. : Gertraud Marinelli-König, Alexander Preisinger. – Bielefeld : transcript, 2011. – 288 S.

1Migration ist das Drängendste der Welt, aber gleichzeitig das Selbstverständlichste – weil der Mensch schon immer unterwegs war. Erst langsam und zögerlich setzt sich im öffentlichen Bewusstsein der Menschen durch, dass Migration, sowohl als freiwilliger Aufbruch zu neuen Lebensinhalten, als auch als erzwungene, räumliche und physische Veränderung kein Drama bedeutet, das Abwehrreaktionen erforderlich machte und Furcht erzeugen muss, sondern die Bereitschaft erfordert(e), ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass wir Menschen auf der Erde in EINER WELT leben, aufeinander angewiesen, human, friedlich und gerecht zusammen zu leben. Die Suche nach der globalen Ethik, wie sie uns in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (10. 12. 1948) in der Präambel aufgegeben ist, dass „die Anerkennung der allen Mitgliedern der menschlichen Familie innewohnenden Würde und ihrer gleichen und unveräußerlichen Rechte die Grundlage der Freiheit, der Gerechtigkeit und des Friedens in der Welt bildet“, bedarf eines immerwährenden und immer wieder neuen Denk- und Handlungsantriebs.
„Migration, Mobilität, Pluralität / Hybridisierung als aufeinander bezogene Phänomene… (sind ) im zentraleuropäischen Raum keineswegs neuartig ( ) “, das ist keine neue Erkenntnis, sondern wird in der Migrationsforschung immer wieder betont; wenn auch die rapide, interdependent und entgrenzend sich entwickelnde Welt neue Formen und Zustände der Wanderungsbewegungen der Menschen hervorgebracht hat und zu Denkmustern herausfordert, die nicht alleine das „Wir“ und die „Anderen“ als Maßstab des Zusammenlebens betrachten, sondern Solidarität in hybride und transkulturelle Selbstverständlichkeit und „Kultur als Pluralisierung möglicher Identitäten“ erkennen.

Armut von Kindern mit Migrationshintergrund : Ausmaß, Erscheinungsformen und Ursachen / Carolin Butterwegge. – Wiesbaden : VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2010. – 580 S.

Kinder mit Migrationshintergrund leben hierzulande mehr als doppelt so häufig wie 2jene ohne in Armut. Wie sich diese im Bereich des Wohnens, der Gesundheit, der Bildung und in sozialen Kontakten bei verschiedenen Gruppen von Zuwandererfamilien äußert, zeigt die Verfasserin mittels umfassender Analysen. Sie belegen, dass die Armut von Migranten in eine klassen- und migrationsspezifische Neustrukturierung von sozialer Ungleichheit im Zuge neoliberaler Gesellschaftsveränderungen eingebettet ist. Auslöser von Armut sind z.B. die Exklusion auf dem Arbeitsmarkt, (Aus-)Bildungsdefizite und Kinderreichtum. Über die Schichtzugehörigkeit eines Migranten bestimmt auch das Ausländerrecht. Ob ein Kind trotz Armutsbedingungen im Wohlbefinden aufwächst, entscheidet sich indes durch ein für Migrantenkinder weitgehend unerforschtes Zusammenspiel v.a. personaler und familiärer Risiko- und Schutzfaktoren.

„Carolin Butterwegge bietet mit ihrer ausführlichen, nachvollziehbaren und genauen Analyse einen unverzichtbaren Überblick über die verschiedenen Lebenslagen von MigrantInnengruppen mit unterschiedlichem Aufenthaltsstatus und ihren Kindern. Vermeintliche Gewissheiten, z.B. über Familienformen türkischer MitbürgerInnen, geraten nach der Lektüre ins Wanken und werfen neue Fragen dazu auf, wie die Bundesrepublik Deutschland mit ihren MigrantInnen und ihren Kindern umgeht und wie dies verändert werden kann.“ http://www.socialnet.de, 24.08.2010

50 Jahre Bundesrepublik-50 Jahre Einwanderung : Nachkriegsgeschichte als Migrationsgeschichte / Jan Motte. – Frankfurt am Main : Campus, 1999. – 341 S.

3„Zwei Themen bestimmen seit Jahresbeginn 1999 die öffentlich Diskussionen in der Bundesrepublik Deutschland: Zum einen wurde in zahlreichen Beiträgen Rückschau auf 50 Jahre Grundgesetz und 50 Jahre Bundesrepublik gehalten. Zum andren war die Reform des (Reichs- und) Staatsbürgerschaftsrechtes Gegenstand heftiger öffentlicher Auseinandersetzungen. So groß das Interesse für das jeweilige Thema ist, so merkwürdig unterbelichtet erscheint jedoch die Schnittmenge beider Diskussionen. Auch nach 50 Jahren Bundesrepublik und angesichts der großen – und weiter zunehmenden – Bedeutung von Migration in der Einwanderungsgesellschaft Bundesrepublik Deutschland findet dieses Thema keine Angemessene Berücksichtigung und Würdigung in vielen Darstellungen, die anlässlich des Staatsjubiläunms die Geschichte des Bundesrepublik Deutschland bearbeiten. Allzu häufig bleibt auch heute noch die öffentliche und teilweise auch fachwissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Geschichte der Zuwanderung bei der Reproduktion der gängigen Bilder von „ostpreußischen Frauen mit Handkarren auf der Flucht“ und vom mit „einem Moped beschenkten, Gastarbeiter“ stehen.“

-Jan Motte

Sehnsucht im Koffer : Geschichten der Migration zwischen Kosovo und Deutschland / Timon Perabo / Jeton Neziraj. – Berlin, Brandenburg : Be.Bra Wissenschaft, 2013. – 224 S.

In den letzten 50 Jahren sind etwa 300.000 Kosovaren, rund 15 Prozent der Einwohner 4des Kosovos, nach Deutschland migriert – als Gastarbeiter und infolge des Krieges im Kosovo. In »Sehnsucht im Koffer« sprechen neun Kosovaren darüber, wie sich ihr Leben verändert hat, als sie nach Deutschland kamen, auf welche Weise sie sich hier verwirklichen konnten und wo es ihnen verwehrt blieb. Das Buch versammelt autobiografische Geschichten von Menschen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten aus dem Kosovo nach Deutschland kamen, die hier ein neues Zuhause gefunden haben oder zurückgekehrt sind. Jeton Neziraj und Timon Perabo haben sie notiert – aus einem kosovarischen und einem deutschen Blickwinkel auf das Thema Migration.
„Wir beschlossen, als kosovarisch-deutsches Autoren-Duo an diesem Thema zu arbeiten, um uns aus unterschiedlichen Blickwinkeln mit den Erfahrungen der Migration auseinanderzusetzen. Und wir entscheiden uns, die subjektiven Perspektiven einzelner Personen in den Mittelpunkt zu stellen. Das Buch sollte ein Forum für sie sein, über ihr Leben zu sprechen. Allen von uns in diesem Buch aufgeschrieben Geschichten liegen lange Interviews zugrunde, die wir mit Menschen i Deutschland und im Kosovo über mehrere Tage, manchmal sogar Wochen geführt haben.“

–  Timon Perabo & Jeton Neziraj

Deutsch als Zweitsprache ; Hrsg. : Bernt Ahrenholz : Voraussetzungen und Konzepte für die Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. – Fillibach, 2008, Freiburg im Breisgau. – 298 S. : Abb.

5Der vorliegende Band umspannt die Zweisprachigkeit von der frühen Kindheit bis zum Jugendalter vor allem in der Schule, aber auch in anderen Bildungsinstitutionen. Damit thematisiert er die besonderen Lehr-/Lernsituationen, die im deutschsprachigen Raum mehr als 1 Mill. mehrsprachige Schülerinnen und Schüler betreffen. Das Handbuch gibt einen fundierten Überblick über Grundlagen, Handlungsfelder sowie künftige Entwicklungen der Zweitsprachen-didaktik Deutsch. Vor dem Hintergrund neuer Forschungsergebnisse werden konzeptionelle Grundlagen und Kompetenzbereiche des Deutschen für Zweitsprachler ebenso thematisiert wie Methodenfragen, Sprachstandsdiagnostik und Bedingungen des Zweitsprach-erwerbs inner- und außerhalb des Unterrichts. Darüber hinaus werden sprachdidaktische Modelle skizziert, die für das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund in Kindergarten und Schule von morgen fruchtbar sein können.
Der Band wendet sich an Erzieherinnen, Erzieher, Lehrpersonen, Studierende und eine interessierte Öffentlichkeit.

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